Rudolf Hiden

Tormann des Wunderteams und Trainer

* 1909   † 1973

 

Kindheit: Schule, Bäckergewerbe, "Sportklub Wacker"

Rudolf Hiden wurde am 19. März 1909 in Graz geboren. Seine Eltern Franz und Aloisia verdingten sich als Fuhrwerker. Er hatte einen drei Jahre älteren Bruder.

Nach dem Besuch der Volks- und der Bürgerschule erlernte er das Bäckergewerbe und ging nebenbei auch noch in die Handelsschule, um kaufmännische Grundlagen für dieses Geschäft zu erwerben.

In unmittelbarer Nähe der Bauernwirtschaft seiner Eltern befand sich eine Wiese. Diese eignete sich perfekt zum Fußball spielen. Sein Vater aber war von der Begeisterung des Sohnes nicht angetan, und um den Zustand des Rasens besorgt. Aus diesem Grunde wichen die Buben in den Augarten aus, wo sie sogleich einen eigenen Verein gründeten, den “Sportklub Wacker”. Rudolf Hiden fungierte als deren Kapitän.

Der "Zufall" führt zu einer Karriere als Tormann

Im Alter von nur 13 Jahren erfolgte seine Verpflichtung in die Jugendmannschaft des GAK, angeregt durch einen Scout, dem Tormann Rosner. Zunächst agierte der junge Rudi als Feldspieler. Nur kurz später, 1923, verletzte sich während eines Spiels gegen Sturm Graz der Tormann. Rudi sollte aufgrund seiner Größe einspringen. Diesem Zufall war es zu verdanken, dass er seine Fußballkarriere ausschließlich als Tormann bestritt. Bereits im Jahr 1924 spielte er erstmals in der Kampfmannschaft des GAK.

Vom GAK zum WAC, die Legende vom "Steirertor"

1926 vertrat Rudolf Hiden die Auswahlmannschaft der Steiermark gegen Jugoslawien in Zagreb, das sein Team mit 2:1 gewann. 1927 besiegte der GAK den WAC aufgrund der ausgezeichneten Leistung von Rudolf Hiden im Tor. Der WAC reagierte dementsprechend und nahm den Tormann rasch unter Vertrag. Einzige Bedingung von Hiden war es, in seinem Brotberuf weiterhin wirken zu können. Einige Einigung in diesem Kontext war möglich. Bald kam es zum Umzug nach Wien. Dort avancierte er schnell zu einem Publikumsliebling.

Am 27. Oktober 1927 spielte Rudolf Hiden sein Debüt im Dress des WAC gegen den Wiener Sportklub. Das Match endete 1:1. Er arbeitete in dieser Zeit, wie er es als Bedingung gestellt hatte, als Gehilfe in einer Bäckerei.

Kurios ist, dass der Begriff “Steirertor” auf Rudolf Hiden zurückgehen soll. Bei seinem Wien-Debüt hatte er - angeblich - einen unnötigen Treffer kassiert. Sein Vordermann Karl Sesta war erregt und rief aus: „So a Türl kann a nur a Steirer kriegen“. Ob es sich hierbei um eine wahre Begebenheit handelt, ist allerdings keineswegs erwiesen.

Torhüter des "Wunderteams"

Im Jahre 1928, also noch in jungen Jahren, stand Rudolf Hiden erstmals im Tor der österreichischen Nationalmannschaft. Ab März 1930 hatte er einen Fixplatz. In eben diesem Jahr veranlasste der Bundeskapitän des WAC, dass Rudolf Hiden nach England zu Arsenal verkauft wird. Jedoch erhielt er keine Arbeitsbewilligung und kehrte schon im November 1930 wieder nach Wien zurück.

Mit dem “Wunderteam” erzielte Rudolf Hiden viele Erfolge. Hervorzuheben ist der 6:0-Sieg über Deutschland in Berlin 1931. Auch bei der legendären Niederlage (3:4) am 7. Dezember 1932 gegen England in London hütete er das Tor. Insgesamt kam er zu 20 Einsätzen im österreichischen Nationalteam. Alfred Polgar setzte ihm im “Prager Tagblatt” mit seinem Artikel “Besuch bei Hiden” ein literarisches Denkmal.

Eine Anekdote

Zum Tag seiner Hochzeit, der in das Jahr 1932 fällt, ist eine lustige Anekdote übermittelt.
Am Vormittag war die Trauung in der Rochuskirche. Am Nachmittag fand ein Fußballspiel gegen einen drittklassigen Verein statt. Es setzte für Rudolf Hiden und seine Mannschaft eine blamable Niederlage. Der Tormann hatte zu viel Sekt getrunken, sodass er nicht wie sonst üblich reagieren konnte. Die Gegner bezwangen ihn an diesem Nachmittag sogar mit Schüssen aus großer Entfernung.

Racing Club Paris, französische Staatsbürgerschaft, Sportlehrer für Rekruten während des Krieges

Das Länderspiel gegen Frankreich am 12. Februar 1933 brachte mit sich, dass Rudolf Hiden von Racing Club Paris engagiert wurde. Er erreichte mit dieser Mannschaft mehrmals den Pokalsieg, und spielte dort bis zum Jahre 1940.

Bei Kriegsausbruch entschied sich Rudolf Hiden, die französische Staatsbürgerschaft anzunehmen, um dem Schicksal in einem Lager zu entgehen. Er wurde sodann in die französische Armee eingezogen. Seine Aufgabe war es, als Sportlehrer für die Rekruten zu wirken. Er spiele auch ein einziges Mal für die französische Fußballnationalmannschaft, ehe er nach der Saison 1939/1940 seine Karriere als Fußballer beendete und die Trainerlaufbahn einschlug.

Trainer in Italien, Bäckerei "Hiden & Co", Bar "haute Société"

In den 1950´er und 1960´er Jahren war Rudolf Hiden Trainer, ausschließlich bei mehreren Vereinen in Italien. Zudem arbeitete er nach 1945 als Journalist für eine deutschsprachige Zeitung. Überhaupt versuchte er sich in einigen Berufen, hervorzuheben freilich jener des Bäckermeisters. Bis ins Jahr 1948 bestand die Bäckerei Hiden & Co in der Landstraßer Hauptstraße 93 in Wien. Er war auch Cafetier, als er bei Racing Club Paris spielte. Sein ganzes Geld steckte er in die Bar „haute Société“, konnte als Geschäftsmann jedoch nicht erfolgreich reüssieren. Zudem versuchte er sich in einem Film als Schauspieler.

Letzte Jahre, Krebserkrankung, Tod

1967 kehrte er zurück nach Österreich. Er wollte sich als Hotelier am Wörthersee beweisen, doch erlitt wie schon als Cafetier buchstäblich Schiffbruch. Die österreichische Staatsbürgerschaft wurde ihm erst wieder im Jahre 1970 verliehen. Kurz darauf erkrankte Rudolf Hiden an Krebs und musste den Verlust eines Beins hinnehmen. Er starb am 11. September 1973 in Wien, von der Öffentlichkeit vergessen. Bundeskanzler Bruno Kreisky veranlasste das Begräbnis des verarmten Stars und ließ Hidens Frau, einer Französin, eine Ehrenpension zukommen.

Straßenbenennung

Im Jahr 2005 wurde in Wien Donaustadt die Rudi-Hiden-Gasse nach ihm benannt.

Die wunderbare Rettung des Grabes von Rudolf Hiden

Fast genau 43 Jahre nach dem Tod von Rudolf Hiden, also im September 2016, fiel einem aufmerksamen Besucher des Stammersdorfer Friedhofs auf, dass das Grab aufgelassen werden sollte. Dies war durch ein rotes Kreuz gekennzeichnet. Weiters galt es, den gelockerten Grabstein zu sichern. Der Friedhofsbesucher sah als langjähriger Fußballfunktionär und Kenner der Geschichte des österreichischen Fußballs Handlungsbedarf und informierte die Ex-Internationalen Rudi Flögel und Hans Buzek sowie den ehemaligen Vienna-Torhüter Fritz Enz, mit denen er regelmäßig in Kontakt ist. Das Grab des Wunderteam-Torhüters Rudolf Hiden durfte nicht aufgelassen werden!

Bald wurde, in Zusammenarbeit mit dem Privatbestatter Hermann Furtner, der sofort seine Unterstützung zusagte, die Grabverlängerung und künftige Betreuung der Grabstelle von Rudolf Hiden beschlossen. Von diesem Vorhaben wurden auch die Friedhöfe Wien informiert, und die diesbezügliche Zustimmung eingeholt.

Nur einen Tag später meldete sich Kulturstadtrat Dr. Mailath-Pokorny und teilte mit, dass es sich die Stadt Wien nicht nehmen lassen will, das Grab des Wunderteam-Torhüters in ihre Betreuung zu übernehmen. Nunmehr ist also die Grabstätte für Rudolf Hiden, fast schon einem “Wunder” gleich, bewahrt.

Das Grab auf dem Stammersdorfer Friedhof

Weblinks

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